Weil interne Analysen von Twitter-Nachrichten nicht zur Überwachung genutzt werden sollen, hat Twitter die Kooperation eines Dienstleisters mit US-Geheimdiensten beendet. Die sollen sich wie „jeder andere auch“ mit den öffentlichen Daten begnügen.

Die US-Geheimdienste haben ihren Zugang zu einem Dienst verloren, der die unzähligen Twitter-Nachrichten in Echtzeit analysiert. Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf Eingeweihte berichtet, hat Dataminr auf Drängen von Twitter Verträge mit Geheimdiensten beendet. Das Unternehmen ist inzwischen das einzige, das direkten Zugriff auf den gesamten Strom an Tweets bekommt und an Kunden weiterverkaufen darf, erklärt die Zeitung. Twitter hält demnach 5 Prozent der Anteile von Dataminr.

Orientierung in der Twitter-Flut

US-Geheimdienste hatten demnach seit zwei Jahren Zugriff auf die Dienste von Dataminr. Dabei gehe es darum, in der Flut an Twitter-Nachrichten Muster zu erkennen, um wichtige Ereignisse oder Entwicklungen erkennen zu können. Eigenen Angaben zufolge konnte Dataminr seine Kunden etwa im März zehn Minuten vor den ersten Nachrichtenmedien über die Terroranschläge in Brüssel informieren. Auch deswegen seien US-Regierungseinrichtungen enttäuscht über das Ende der Zusammenarbeit und hofften auf einen Meinungsumschwung, immerhin gingen die Daten ja weiterhin an private Kunden.

Das Ende der Kooperation verdeutlicht die zunehmende Entfremdung zwischen US-Technikunternehmen und US-Geheimdiensten. Twitter selbst habe den Schritt mit einer „seit langem geltenden Maxime“ begründet, Dritten den Verkauf interner Daten an Regierungen zu Überwachungszwecken nicht zu erlauben – ein Vertrag mit dem Department of Homeland Security sei nicht betroffen. Dabei hatte Dataminr seit zwei Jahren derartige Verträge mit US-Geheimdiensten. Twitter habe nun erklärt, die Daten seien sowieso größtenteils öffentlich und die US-Regierung könne darauf genauso zugreifen, wie jeder andere Nutzer.

Quelle: //heise.de/-3198781